Wie Synlab die Transformation im Gesundheitswesen vorantreibt
Auf dem CIOFEST 2026 zeichnete Stefan Domsch, Global CIO von Synlab International, ein klares Bild davon, wie tiefgreifend Künstliche Intelligenz das Gesundheitswesen verändern wird – und warum Technologie allein dafür nicht ausreicht. Sein Vortrag war weniger eine technische Roadmap als vielmehr ein Plädoyer für ein radikales Umdenken in Organisationen.
Früherkennung, Homecare und der Wandel der Diagnostik
Im Zentrum der medizinischen Perspektive stand ein Paradigmenwechsel: Diagnostik wird zunehmend präventiv, kontinuierlich und patientennah. Blutbasierte Analysen ermöglichen es bereits heute, DNA-Spuren von Tumoren frühzeitig zu erkennen – lange bevor Symptome auftreten oder bildgebende Verfahren greifen.
Diese Entwicklung geht Hand in Hand mit einem wachsenden Trend zu Homecare-Lösungen. Diagnostik und Gesundheitsservices verlagern sich zunehmend in den Alltag der Patienten. Digitale Zugänge und häusliche Tests senken die Schwelle zur Nutzung medizinischer Leistungen und könnten langfristig zu einer deutlich gesünderen Gesellschaft beitragen.
KI als kulturelle Transformation
Für Stefan Domsch ist KI kein weiteres IT-Werkzeug, sondern Ausdruck eines neuen Denkens. Der entscheidende Hebel liegt nicht in der Technologie, sondern im kulturellen Wandel innerhalb der Organisation.
Unternehmen müssten lernen, KI als selbstverständlichen Bestandteil der täglichen Arbeit zu begreifen. Wer KI nicht aktiv nutzt, verschenkt Potenzial – und langfristig Wettbewerbsfähigkeit. Diese Veränderung erfordert jedoch mehr als Schulungen: Sie verlangt ein Umdenken auf allen Ebenen, vom Entwickler bis zum Management.
Gerade hier sieht Stefan die größte Herausforderung. Während die technologischen Möglichkeiten oft bereits vorhanden sind, bleiben sie im Alltag ungenutzt. Der eigentliche Wandel besteht darin, neue Anwendungsfälle zu erkennen und KI intuitiv einzusetzen.
Governance als Fundament
Mit der wachsenden Verfügbarkeit von KI-Tools steigt auch das Risiko unkontrollierter Nutzung. Stefan Domsch betont deshalb die zentrale Rolle von Governance-Strukturen.
Jedes moderne Softwareprodukt integriert inzwischen KI-Funktionen – oft ohne klare Kontrolle. Ohne Leitplanken droht ein Wildwuchs, der Sicherheits-, Datenschutz- und Compliance-Risiken mit sich bringt.
Synlab begegnet diesem Risiko mit klaren Strukturen: einem zentralen AI Council mit Top-Management-Beteiligung, striktem Whitelisting von Anwendungen, klaren Datenschutzrichtlinien mit Fokus auf Datenhoheit.
Besonders im Gesundheitswesen, wo hochsensible Daten verarbeitet werden, ist dies entscheidend. Anonymisierung und kontrollierte Cloud-Nutzung sind zentrale Bausteine, um Innovation und Regulierung in Einklang zu bringen.
Vom Verbot zur strategischen Nutzung
Noch vor zwei Jahren war KI im Unternehmen faktisch untersagt. Heute ist sie integraler Bestandteil der Strategie. Dieser Wandel zeigt, wie schnell sich die Wahrnehmung von Technologie verändern kann – vorausgesetzt, es existiert eine klare Vision und Führung.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist dabei die Community: Wissenstransfer, gemeinsame Use Cases und die Vermeidung von Doppelarbeit stehen im Mittelpunkt. Innovation wird nicht isoliert entwickelt, sondern kollaborativ vorangetrieben.
Konkrete Use Cases: Effizienz trifft Skalierung
Besonders eindrucksvoll waren die praktischen Anwendungen, die Synlab bereits umgesetzt hat.
1. Automatisierte Verarbeitung von Rezepten
Papierbasierte ärztliche Verordnungen werden per Foto erfasst, automatisiert ausgelesen und direkt in Laborsysteme übertragen.
Das Ergebnis: drastische Zeitersparnis, minimale Kosten pro Dokument und eine Fehlerquote auf menschlichem Niveau.
2. Follow-up-Management für Patienten
Viele Patienten nehmen empfohlene Nachuntersuchungen nicht wahr. KI hilft, diese Fälle zu identifizieren und systematisch nachzuverfolgen – zunächst telefonisch, perspektivisch auch digital. Hier zeigt sich ein zweiter Hebel neben Effizienz: Umsatzsteigerung durch bessere Patientenbindung.
3. Intelligente Callcenter-Unterstützung
Sprachnachrichten werden automatisch transkribiert, analysiert und in konkrete Aufgaben übersetzt. Mitarbeitende starten mit vorstrukturierten Tickets in den Tag, behalten aber die Kontrolle über die finale Bearbeitung.
Alle Anwendungen folgen einem klaren Prinzip: klein starten, schnell skalieren. Eine einmal entwickelte Plattform kann innerhalb weniger Wochen auf neue Use Cases übertragen werden.

Die Rolle der IT: Vom Technik- zum People-Leadership
Ein weiterer zentraler Punkt ist das Selbstverständnis der IT-Führung. Der CIO der Zukunft ist weniger technischer Experte als vielmehr Enabler.
Statt Systeme zu optimieren, geht es darum, Menschen zu befähigen:
Gerade in großen Organisationen liegt der Fokus nicht mehr auf technischer Detailarbeit, sondern auf Führung und Transformation.
Zwischen Innovation und Regulierung
Das Gesundheitswesen bleibt ein hochreguliertes Umfeld. KI darf hier nicht autonom entscheiden, sondern muss unterstützend wirken. Die Verantwortung liegt weiterhin beim Arzt.
Gleichzeitig zeigt sich ein Generationenkonflikt: Während einige Mediziner noch mit Fax arbeiten, erwarten andere längst KI-gestützte Unterstützung. Diese Spannungen müssen aktiv aufgelöst werden, um Fortschritt zu ermöglichen.
Fazit: Evolution statt Big Bang
Stefan Domsch plädiert für einen pragmatischen Ansatz:
Die Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen ist exponentiell. Was heute nicht funktioniert, kann morgen bereits Standard sein. Entscheidend ist daher nicht Perfektion, sondern Experimentierfreude.

Am Ende geht es nicht um Technologie, sondern um Haltung. Unternehmen, die KI als festen Bestandteil ihres Denkens etablieren, werden sich durchsetzen.
Die Botschaft des Vortrags ist klar: Der Wandel passiert nicht von selbst – er muss aktiv gestaltet werden.
*Einblicke von der CIOFEST-Keynote am 23.04.
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